Pilot-Projekt „Zusammen den (neuen) Rhythmus finden“ - 2017

Zielsetzung

In den Oberschulen sind die neuen 5. Klassen natur- und erfahrungsgemäß weit weniger homogen als z.B. in den Gymnasien. Gemeinsames Musizieren kann hier nachweislich helfen, und das nicht nur im Hinblick auf gruppendynamische Prozesse wie Disziplin, gegenseitigen Respekt und Teambildung, sondern auch in Bezug auf Motivation, Koordination, und Zeitmanagement. Spaß im Klassenverbund zu erleben, ist dabei ebenso ein großer Faktor. Viel mehr noch als die Idee einer AG fördert das gemeinsame Cajontrommeln all das, wenn es den Musikunterricht im wöchentlichen Rhythmus im ersten Schulhalbjahr des 5. Jahrgangs ergänzt – oder gar erst bietet – und so klassenweise alle Kinder erreicht. Das Interesse der Schulen ist sehr groß

„Musikalischer Rhythmus ist ein Ordnungssystem, ein verbindlich vereinbartes Zeitraster, in dessen Koordinaten akustische Ereignisse stattfinden.“ (1) Rhythmus ist somit das Fundament der Musik, in dessen Raster die Melodik eingeordnet werden kann und praktisch ausprobiert werden möchte. Ein motivierender Zugang, der rhythmische Verstehensprozesse durch praktisches Musizieren anregt, sollte aus diesem Grund seinen Platz im Musikunterricht haben. Es kann festgehalten werden, dass das gemeinsame Rhythmusspiel in seiner „einigende[n] Kraft“ einen wichtigen Beitrag für das soziale (Klassen-)Gefüge leistet: „Rhythmus [...] bringt Menschen zusammen, setzt voraus und bewirkt Verantwortung und Vertrauen. Rhythmus erfordert und übt die Wahrnehmen und Achtung der Mitmusiker.“ (2)

Die Erfahrung aus sehr vielen Cajon-Trommel-Projekten kann das nur bestätigen. Beim gemeinsamen Üben hat jeder seinen festen Platz im Ensemble. Gemeinsam werden Stücke erarbeitet, schwierige Passagen und Rhythmen bewältigt sowie Geübtes vorgetragen und gewürdigt. Weitere positive Folgeerscheinungen in der Beschäftigung mit Rhythmus ist eine Verbesserung der Motorik, eine Schulung des Bewegungs- und Gleichgewichtssinns, des Berührungsempfindens und der Sprechfähigkeit. (3)

Für die Erörterung des didaktischen Nutzens von der Arbeit mit Rhythmusinstrumenten kann das Kerncurriculum Musik für die Grundschule

herangezogen werden. Im Bildungsbeitrag für das Fach Musik heißt es dort: „Wesentliches Anliegen ist es, die Erlebnisfähigkeit der Schülerinnen und Schüler durch Freude am [...] Musizieren [...] zu wecken und zu erweitern.“ (4)

Außerdem geht es um „Spieldisziplin, aufeinander Hören, das Spielen nach Dirigat, Tempo aufnehmen, Blickkontakt, gemeinsames Einsetzen, das Beachten musikalischer Zeichen“ (5) sowie das Halten an „musikalische und soziale Regeln“. (6)

Im Hinblick auf die Ensemblefähigkeit ist der kontinuierliche Einsatz von Cajons und Schüttel-Eiern eine Herausforderung aber auch ein ergiebiges Übungsfeld. Instrumente haben bekanntermaßen einen immensen Aufforderungscharakter. (7) Die nötige Disziplin, der sachgemäße Umgang mit den Instrumenten, das Hören aufeinander und das konsequente Einhalten des Spieltempos kann in der kontinuierlichen Arbeit mit den genannten Instrumenten gut gelernt werden. Der Einsatz von ritualisierten Handlungen für Ruhe, Instrumentenausgabe, Sitzordnung etc. erleichtert hierbei das gemeinsame Arbeiten.

1 Moritz, Ulrich/ Staffa, Klaus: Trommeln ist Klasse!, S.8.
2 Ebd. S.9.
3 Ebd. S.8.
4 Nds. Kultusministerium: Kerncurriculum Musik für die Grundschule, S. 9.
5 Vgl. ebd. S.20.
6 Vgl. ebd. S. 15.
7 Vgl. Moritz, Ulrich/ Staffa, Klaus: Trommeln ist Klasse!, S.10.

Quelle: Silas Börner

----------------------------------------------------------------------------------------------------

Rhythmisches Trommeln mit einfachen Spielvorgaben wirkt motivierend.

Die Methode vermittelt auf kreative Weise positive Erlebnisqualitäten auf unterschiedlichen bewussten und unbewussten Ebenen. Themen zu Affekt- und Aggressionsregulation, Konflikt- und Streitsituationen, Vermeidung und Abwehr von Bedrohungen werden in der Klasse musikalisch inszeniert und geübt. Mit Hilfe der aggressiven Ausdrucksqualitäten von Musik kann zwischen destruktiven und konstruktiven Aggressionsformen unterschieden und Wege zum konstruktiven Umgang damit gefunden werden.

Die kreative Auseinandersetzung mit diesen Themen fördert den gegenseitigen Respekt, die Akzeptanz von individuellen Unterschieden und die soziale Integration.

Das Konzept stellt verschiedene Formate bereit und wird an Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien in verschiedenen Jahrgangsstufen durchgeführt. Es verbessert in allen Klassen die Konfliktlösungsfähigkeiten. Auch in Klassen mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen kann das gemeinsame Erleben in den rhythmischen Improvisationen Grenzen überwinden. Trotz sprachlicher und sozialer Unterschiede entwickelt sich – spielerisch erlebt und therapeutisch gefördert – auch ohne Worte ein emotional tragfähiges Gemeinschaftsgefühl. Dieses wird in der Projektarbeit und im Schulalltag weiter aufgebaut und fortgeführt, was insgesamt die Zugehörigkeit in die Klassengemeinschaft, sowie individuelle kreative Potentiale und besonders die Fähigkeit zur zielorientierten Zusammenarbeit stärkt.

Durch die Förderung der musischen und emotionalen Ressourcen der Schüler werden ihre individuellen Lösungspotentiale und ihr Selbstvertrauen in besonderer Weise gestärkt.

Quelle: Freies Musikzentrum München, freies-musikzentrum.de

----------------------------------------------------------------------------------------------------

Zusammenfassend können mit Hilfe der Trommel in der pädagogischen Gruppenarbeit folgende Ziele realisiert werden:

Kooperation
Notwendigkeit und Nutzen der Kooperation erkennen und ausprobieren

Verantwortung
Die Abhängigkeit anderer von sich selbst erkennen und die eigene Rolle in diesem Bewusstsein ausfüllen

Vertrauen
Sich der eigenen freiwilligen und unfreiwilligen Abhängigkeit von anderen bewusst werden und auf die Unterstützung anderer vertrauen.

Selbstdefinition
Im Vergleich mit anderen Menschen den eigenen Charakter erkennen und die Position in der Gruppe verstehen. Eigene Interessen kennen lernen.

Konfliktlösung
Konflikte erleben, erkennen und einen konstruktiven Umgang damit finden (Lösungsstrategien lernen).

Wahrnehmung
Sensibilisierung der Wahrnehmung für sich und andere. Auch nicht verbale Äußerungen von anderen, von
sich selbst und der Gruppe wahrnehmen lernen.

Kommunikation
Sich verständlich mitteilen lernen und eigene Interessen vertreten. Zuhören lernen, um andere Menschen wirklich zu verstehen.

Die Eigenschaften der Trommeln als Medium der Kommunikation wirken sich darüber hinaus auf folgende Punkte positiv aus:

Sprache
Trommeln können ein Ersatz für Sprache sein und Hemmungen beim Sprechen überwinden.

Emotion
Trommeln sind gut geeignet um zu lernen, Gefühle auszudrücken.

Kontakt
Trommeln in der Gruppe erleichtert und stärkt den Kontakt und die Kommunikation.

Kraft
Kommunikation mit Trommeln „energetisiert“ und gibt Kraft. Musikalischer Ausdruck wird damit klarer und das Selbstbewusstsein stärker.

Komponieren
Das Umsetzen von Namen in Trommelsprache in der Gruppe schafft Respekt, soziale Sensibilität und Konzentration.

Signale
Musikalische Trommelsignale machen wach und fördern die Konzentration.

Quelle: Die Trommel in der Sozialpädagogik: Was Perkussionsinstrumente anderer Kulturen in der sozialpädagogischen Praxis leisten können
Diplomarbeit - vorgelegt von: Till Bommer, Sommersemester 2004, Freie Universität Berlin, Fachbereich 12, Erziehungswissenschaften und Psychologie

Aufbau des Projekts

Mit Beginn des Schuljahres 2017/18 soll in den Oberschulen in möglichst allen 5. Klassen wöchentlich eine 45-minütige Unterrichtsstunde Cajon-Trommelunterricht stattfinden. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass alle Schüler der jeweiligen Klasse im Klassenverbund daran teilnehmen. Das Angebot findet außerhalb des Stundeplans der 5. Klassen statt. Es wird von acht Oberschulen ausgegangen, 20 Schulklassen (ca. 500 SchülerInnen) mit 20 Unterrichtseinheiten bzw. Wochen (erstes Schulhalbjahr). Den Oberschulen sollte möglichst vor Beginn der Sommerferien signalisiert werden können, ob das Projekt starten kann, da ein Abgleich mit den Stundenplänen eine Grundvoraussetzung darstellt.

Evaluation

Die Evaluation erfolgt projektbegleitend in ständiger Absprache mit den KlassenlehrerInnen und SchulleiterInnen, sowie zusammenfassend zum Abschluss des ersten Schulhalbjahres. Eine weitere analytische Erhebung ist jeweils zum Schuljahresende der 5. Klassen angedacht, um die Nachhaltigkeit des Projektes zu ermitteln.

1. Cajon-Trommel-Projekt 2017/18

2. Cajon-Trommel-Projekt 2018/19

Ein Projekt von Ralf Dittrich
und Musikschule Hildesheim

Gefördert von:
Heinrich-Dammann-Stiftung,

Sparkasse Hildesheim Goslar Peine

und Klosterkammer Hannover

 

DOWNLOAD PDF


Ein Projekt von Ralf Dittrich
und Musikschule Hildesheim

Gefördert von:
Heinrich-Dammann-Stiftung,

Sparkasse Hildesheim Goslar Peine

und Landschaftsverband Hildesheim

 

DOWNLOAD PDF



3. Cajon-Trommel-Projekt 2019/20

Ein Projekt von Ralf Dittrich
und Musikschule Hildesheim

Gefördert von:
Heinrich-Dammann-Stiftung und der

Sparkasse Hildesheim Goslar Peine

 

DOWNLOAD PDF