Gitarre & Musik - Projekt 2017

Wenn sich montags um 19 Uhr die Türen des CVJM in der Hildesheimer Oststadt öffnen, wird der Raum kurze Zeit später von Gitarrenmusik und Gesang in verschiedenen Sprachen erfüllt. Die Gruppe von jungen geflüchteten Menschen erarbeitet unter Leitung von Andreas Lallinger und Christoph Kaling genreübergreifende Lieder, die einerseits auf den Vorschlägen der beiden Leiter beruhen und andererseits von den Teilnehmenden eingebracht werden.

Die Kursmitglieder im Alter von 12 bis 18 Jahren haben zum Teil ganz unterschiedliche musikalische Vorlieben, sodass das Liedspektrum von Pop und Rock bis hin zu iranischer oder afghanischer Musik reicht. So wird neben dem Gitarre spielen gemeinsam in persischer Sprache das Lied „Toto“ von Elcid und anschließend „Gewinner“ von Clueso mit seinem eingängigen Chorus gespielt und gesungen.

Dass in der jeweiligen Fremdsprache nicht jedes Wort verstanden wird, ist dabei nicht entscheidend. Was zählt, ist das gemeinsame Musizieren, die Freude an der Musik aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten und insbesondere das Erlernen des Gitarrenspiels. Die versierten Musiker vermitteln tonales Gespür und eine große Bandbreite an Akkorden. Je nach Vorkenntnissen der Teilnehmenden werden verschiedene Schlag- und Zupftechniken gelehrt, sodass jede und jeder in der Liedbegleitung stetig Fortschritte macht.

Und in gemeinschaftlicher Atmosphäre und ohne Druck geht das Erlernen musikalischer Techniken auf der Gitarre schließlich auch mit der Verbesserung der Sprachkenntnisse einher.

Gitarre & Musik - Projekt 2018

Der Kurs „Gitarre & Musik & Sprache & Kulturaustausch“ wurde für unbegleitete minderjährige Jugendliche mit Fluchterfahrung angeboten.

Einige Jugendliche hatten keinerlei Erfahrungen mit dem Gitarrespielen und/oder gemeinsamem Singen, andere verfügten aber bereits über gerine Grundkenntnisse. Dementsprechend wurden die Teilnehmer/-innen auf zwei Kurse je nach Kenntnis- und Lernstand aufgeteilt. Die Methoden und musikpädagogischen Inhalte wurden auf die variierenden Bedürfnisse der Teilnehmer/-innen und zu Gunsten der gesamten Gruppe angepasst. Auch ritualisierte Abläufe wurden Teil der Kurseinheiten.

Das gemeinsame Stimmen der Gitarren, das Erlernen und Wiederholen von Akkordabfolgen oder ganzer Lieder aus den vergangenen Stunden und die Berücksichtigung von Liedwünschen ermöglichten nicht nur, dass verschiedene Genres instrumental abgedeckt wurden, sondern auch, dass Lieder in verschiedenen Sprachen gesungen wurden. Selbst geschriebene deutsche Lieder wurden zu Highlights, da sich hier alle mit ihren Deutschkenntnissen einbringen konnten und ihren Wortschatz erweiterten.

In beiden Kursen wurden Gemeinschaft und Zugehörigkeit vermittelt. Insbesondere in Hinblick auf die individuellen Fluchtgeschichten und traumatischen Erlebnisse der Jugendlichen konnten die Kurse einen wichtigen Beitrag zu ihrer positiven Lebensgestaltung bilden.

Alle Teilnehmer/-innen, die den Kurs über einen längeren Zeitraum besuchten, konnten individuell ihre Fähigkeiten im Gitarrespielen entwickeln bzw. erweitern. Sie verfügen nun über Grundlagentechniken in Rhythmus, Akkordabfolgen, Zupfen, Fingersatz und begleitendem Singen. Durch das gemeinsame Musizieren und die positive Gruppenatmosphäre wurde zudem eine Motivation geschaffen, sich selbständig technisch auf dem Instrument weiterentwickeln zu wollen. Zudem konnte das kreative Potenzial aller Teilnehmer/-innen gefördert werden.

Sie haben gemeinsam eigene Lieder geschrieben, Bestärkung in ihren Sprachkenntnissen erfahren und zugleich ihren Wortschatz erweitert und ihre Sprachflüssigkeit verbessert. Durch diese Erfahrung von Selbstwirksamkeit sind einige Teilnehmer/-innen förmlich aufgeblüht.